„Wo zieht man da die Grenze?“1 Das ist eine Frage, die oft auftaucht. Als müssten wir um uns herum erkennbare Linien ziehen, um unser Land der Meinungen abzustecken – sei es auch nur, um zu erklären, wen wir als Freund oder Feind betrachten. Das Problem? Oft ist es irrelevant oder – schlimmer noch – schädlich.
Hier ist ein einfaches Beispiel: Stell dir jemanden vor, der 20 Flaschen Bourbon am Tag trinkt. Jemand sagt ihm „Ich glaube, du trinkst zu viel Bourbon“, worauf er antwortet: „Na, wo zieht man da die Grenze? Wie viel genau ist zu viel?“. Wenn man täglich 20 Flaschen Bourbon trinkt, ist es irrelevant, wo man die Grenze zieht. Dennoch ist diese Frage komplex genug, dass wir monatelang darüber diskutieren könnten. Währenddessen ignorieren wir den Elefanten im Raum.
Heute stellen sich so viele Fragen ähnlicher Art: „Wo zieht man die Grenze zwischen Repräsentation und Demokratie?“, „Wie viele Kinderehen sind zu viele?“, „Wie viel Autoritarismus auf Reddit genau ist zu viel?“, „Wann genau wird die Ladezeit zu langsam?“. Ich weiß es nicht und es spielt keine Rolle – in all diesen Fällen. Wir sind meilenweit von Demokratie oder Repräsentation entfernt, wie Contogeorgis in unserer Diskussion analysierte. In den USA gibt es unseres Wissens nach immer noch mehr als 1.000 Kinderehen pro Jahr. Obwohl die Zahl sinkt, sind es immer noch zu viele. Reddit ist grundsätzlich autoritär und nicht liberal. Verbote sind die Standardeinstellung und nicht die Ausnahme. Schließlich laden die meisten Programme heutzutage viel zu langsam.
Wenn also das nächste Mal jemand fragt „Wo zieht man da die Grenze?“, um unsere Aufmerksamkeit abzulenken, sagen wir ganz offen: „Das spielt keine Rolle“ und kehren wir zu dem zurück, was wichtig ist.